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Steuern

Erbschaftssteuer in Österreich: Immobilien, Geld & Steuern beim Erben

David Reisner
aktualisiert: 7. Oktober 2026 16:11

In Österreich gibt es keine allgemeine Erbschaftssteuer. Wer Geld, ein Sparbuch, Wertpapiere, ein Unternehmen oder anderes Vermögen erbt, muss daher nicht allein wegen des Erbanfalls einen bestimmten Prozentsatz als Erbschaftsteuer bezahlen.

Völlig kosten- oder steuerfrei ist ein Erbe trotzdem nicht automatisch. Besonders bei geerbten Häusern, Wohnungen und Grundstücken kann Grunderwerbsteuer anfallen. Zusätzlich können Grundbuchsgebühren, Kosten des Verlassenschaftsverfahrens und später Steuern auf Erträge oder einen Verkauf entstehen.

Kurzantwort: Eine allgemeine Erbschaftssteuer gibt es in Österreich seit 1. August 2008 nicht mehr. Bargeld, Sparguthaben oder Wertpapiere können grundsätzlich ohne Erbschaftsteuer übergehen. Bei Immobilien fällt dagegen regelmäßig Grunderwerbsteuer an. Auch Notariats-, Gerichts- und Grundbuchskosten können entstehen.

Was wird geerbt? Allgemeine Erbschaftssteuer? Was kann trotzdem anfallen?
Bargeld Nein Verlassenschaftskosten
Sparbuch / Bankkonto Nein Verlassenschaftskosten, spätere Besteuerung von Erträgen
Aktien / Wertpapiere Nein Spätere Kapitalertragsteuer bei Veräußerung möglich
Haus / Wohnung / Grundstück Nein Grunderwerbsteuer und Grundbuchsgebühr
Vermietete Immobilie Nein GrESt sowie laufende Einkommensteuer auf Vermietung
Unternehmen Nein Bei betrieblichen Grundstücken insbesondere GrESt möglich
Auslandsvermögen Keine österreichische allgemeine Erbschaftsteuer Steuern im jeweiligen Ausland möglich

Gibt es in Österreich eine Erbschaftssteuer?

Nein. Für Erbfälle fällt in Österreich seit dem 1. August 2008 keine allgemeine Erbschaftssteuer mehr an.

Das gilt grundsätzlich unabhängig davon, ob beispielsweise:

  • Bargeld,
  • Sparguthaben,
  • Wertpapiere,
  • Schmuck,
  • Fahrzeuge,
  • Unternehmensanteile oder
  • andere Vermögenswerte

vererbt werden.

Wichtig: „Keine Erbschaftssteuer“ bedeutet nicht „keine Kosten und keine anderen Steuern“. Bei Immobilien greift insbesondere die Grunderwerbsteuer. Außerdem können Grundbuchs-, Gerichts- und Notariatskosten entstehen.

Auch bei Schenkungen gibt es keine allgemeine Schenkungssteuer mehr. Für größere Schenkungen unter Lebenden besteht allerdings eine eigene Meldepflicht. Mehr dazu erklärt unser Ratgeber zur Schenkungssteuer und Schenkungsmeldung in Österreich.

Warum wurde die Erbschaftssteuer abgeschafft?

Die frühere österreichische Erbschafts- und Schenkungssteuer lief im Jahr 2008 aus, nachdem der Verfassungsgerichtshof Teile der damaligen Regelungen aufgehoben hatte.

Seitdem gibt es kein allgemeines österreichisches Steuersystem, das ein Erbe abhängig von Höhe des Nachlasses und Verwandtschaftsgrad mit einem eigenen Erbschaftsteuertarif belastet.

Immobilienübertragungen wurden allerdings nicht vollständig steuerfrei gestellt. Für Grundstücke greift weiterhin das Grunderwerbsteuergesetz.

Ist die Grunderwerbsteuer eine „versteckte Erbschaftssteuer“?

Umgangssprachlich wird die Grunderwerbsteuer bei geerbten Immobilien manchmal als „versteckte Erbschaftssteuer“ bezeichnet.

Steuerrechtlich ist diese Bezeichnung jedoch ungenau.

Die Grunderwerbsteuer ist eine eigenständige Steuer auf bestimmte Erwerbsvorgänge bei österreichischen Grundstücken. Sie fällt nicht nur bei Erbschaften an, sondern beispielsweise auch bei:

  • Immobilienkäufen,
  • Grundstücksschenkungen,
  • Tauschvorgängen und
  • bestimmten gesellschaftsrechtlichen Vorgängen.

Die aktuellen Regeln erklärt ausführlich unser Ratgeber zur Grunderwerbsteuer in Österreich.

Muss ein Erbe dem Finanzamt gemeldet werden?

Normale Erbschaften fallen nicht unter die Schenkungsmeldung nach § 121a BAO.

Die 50.000-Euro- beziehungsweise 15.000-Euro-Meldegrenzen, die bei bestimmten Schenkungen gelten, dürfen deshalb nicht auf Erbschaften übertragen werden.

Erbschaft und Schenkung nicht verwechseln: Die Schenkungsmeldung betrifft grundsätzlich unentgeltliche Übertragungen unter Lebenden. Ein Erbfall wird über das Verlassenschaftsverfahren abgewickelt.

Eine wichtige Ausnahme betrifft Grundstücke: Für den Erwerb einer österreichischen Immobilie von Todes wegen bestehen eigene Anzeige- und Steuerpflichten nach dem Grunderwerbsteuergesetz.

Wie läuft ein Erbe in Österreich ab?

Nach einem Todesfall wird grundsätzlich ein Verlassenschaftsverfahren durchgeführt.

Das zuständige Bezirksgericht bestellt dafür eine Notarin oder einen Notar als Gerichtskommissär.

Im Verfahren werden unter anderem:

  • die Erben festgestellt,
  • Vermögen und Schulden erfasst,
  • Testamente und andere letztwillige Verfügungen berücksichtigt,
  • Erbantrittserklärungen abgegeben und
  • die Verlassenschaft schließlich eingeantwortet.

Am Ende wird ein Einantwortungsbeschluss ausgestellt. Daraus ergibt sich, wer welche Teile der Verlassenschaft erhält.

Auch Schulden können vererbt werden. Deshalb sollte nicht nur geprüft werden, welches Vermögen vorhanden ist, sondern auch welche Verbindlichkeiten bestehen.

Was kostet ein Verlassenschaftsverfahren?

Auch ohne Erbschaftssteuer entstehen im Verlassenschaftsverfahren Kosten.

Dazu können insbesondere gehören:

  • Gebühren für die Gerichtskommissärin beziehungsweise den Gerichtskommissär,
  • Gerichtsgebühren,
  • Kosten für Sachverständige und Bewertungen,
  • Grundbuchsgebühren sowie
  • bei Immobilien die Grunderwerbsteuer.

Wie hoch ist die Gerichtsgebühr?

Die Gerichtsgebühr im Verlassenschaftsverfahren beträgt grundsätzlich 5 Promille des reinen Verlassenschaftsvermögens, mindestens jedoch 100 Euro.

Wie hoch sind die Notariatskosten?

Die Gebühren des als Gerichtskommissär tätigen Notars richten sich insbesondere nach:

  • dem Wert der Verlassenschaft und
  • dem Umfang beziehungsweise Aufwand des Verfahrens.

Die Kosten werden vom Verlassenschaftsgericht bestimmt.

Muss auf geerbtes Bargeld Steuer bezahlt werden?

Nein. Wird Bargeld geerbt, fällt darauf grundsätzlich keine österreichische Erbschaftssteuer an.

Beispiel

Eine Tochter erbt von ihrer Mutter 100.000 Euro Bargeld.

Allgemeine Erbschaftssteuer auf die 100.000 Euro: 0 Euro

Die 100.000 Euro gehören allerdings zum Vermögen der Verlassenschaft und können damit beispielsweise die Höhe der Verfahrenskosten beeinflussen.

Was gilt bei einem geerbten Bankkonto oder Sparbuch?

Auch ein geerbtes Bankguthaben löst grundsätzlich keine allgemeine Erbschaftssteuer aus.

Banken müssen dem Gericht beziehungsweise der Gerichtskommissärin oder dem Gerichtskommissär im Verlassenschaftsverfahren Auskunft über die relevanten Vermögenswerte der verstorbenen Person geben.

Dazu können insbesondere gehören:

  • Girokonten,
  • Pensionskonten,
  • Sparbücher,
  • Bausparverträge und
  • Wertpapierdepots.

Die spätere Besteuerung ist davon getrennt zu betrachten: Erträge, die nach dem Erbanfall mit dem Vermögen erzielt werden, können selbstverständlich weiterhin steuerpflichtig sein.

Was gilt bei geerbten Aktien und Wertpapieren?

Auch Aktien, Fonds und andere Wertpapiere können grundsätzlich ohne allgemeine Erbschaftssteuer vererbt werden.

Die unentgeltliche Übertragung selbst löst grundsätzlich keine Besteuerung der bis dahin entstandenen Wertsteigerung aus.

Für einen späteren Verkauf ist jedoch entscheidend:

Anschaffungszeitpunkt und Anschaffungskosten des Rechtsvorgängers werden grundsätzlich fortgeführt.

Beispiel

Der Vater kaufte Aktien ursprünglich um 20.000 Euro.

Zum Zeitpunkt seines Todes sind sie 50.000 Euro wert. Die Tochter erbt das Depot.

Durch die Erbschaft selbst entsteht grundsätzlich keine Kapitalertragsteuer auf die Wertsteigerung von 30.000 Euro.

Verkauft die Tochter die Aktien später um 60.000 Euro, werden bei der steuerlichen Gewinnermittlung grundsätzlich nicht 50.000 Euro als neue Anschaffungskosten angesetzt. Maßgeblich bleiben grundsätzlich die historischen Anschaffungskosten des Rechtsvorgängers.

Informationen zur Besteuerung von Kapitalerträgen sind davon getrennt zu beurteilen.

Bank über die Erbschaft informieren

Bei der Übertragung eines Wertpapierdepots sollte gegenüber der Bank nachgewiesen werden, dass es sich um einen unentgeltlichen Erwerb von Todes wegen handelt.

Als Nachweis kann beispielsweise der Einantwortungsbeschluss dienen.

Das ist steuerlich wichtig: Ohne entsprechenden Nachweis kann bei einer Depotübertragung unter Umständen ein unerwünschter Kapitalertragsteuerabzug ausgelöst werden.

Welche Steuer fällt bei einer geerbten Immobilie an?

Wird ein österreichisches Grundstück, Haus oder eine Eigentumswohnung geerbt, entsteht grundsätzlich Grunderwerbsteuer.

Ein Erwerb durch Erbanfall oder Vermächtnis gilt für die Grunderwerbsteuer grundsätzlich als unentgeltlicher Erwerb.

Bei gewöhnlichem Grundvermögen wird die Steuer daher grundsätzlich anhand des Grundstückswerts und des Stufentarifs berechnet.

Teil des Grundstückswerts Grunderwerbsteuer
erste 250.000 Euro 0,5 %
nächste 150.000 Euro 2 %
über 400.000 Euro 3,5 %

Beispiel: Geerbtes Haus mit Grundstückswert 600.000 Euro

250.000 Euro × 0,5 % 1.250 Euro
150.000 Euro × 2 % 3.000 Euro
200.000 Euro × 3,5 % 7.000 Euro
Grunderwerbsteuer 11.250 Euro

Das Beispiel unterstellt, dass keine besondere Befreiung oder Zusammenrechnung mit früheren relevanten Erwerbsvorgängen zu berücksichtigen ist.

Die gesamte Immobilie wird nicht einfach mit 3,5 Prozent besteuert. Beim unentgeltlichen Erwerb wird der Grundstückswert stufenweise auf die einzelnen Tarifbereiche verteilt.

Was ist der Grundstückswert?

Der Grundstückswert ist eine besondere Bewertungsgröße des österreichischen Grunderwerbsteuerrechts.

Er ist nicht automatisch mit:

  • dem Einheitswert,
  • dem Verkehrswert oder
  • einem früheren Kaufpreis

identisch.

Der Grundstückswert kann grundsätzlich insbesondere durch das gesetzliche Pauschalwertmodell oder anhand geeigneter Immobiliendurchschnittspreise ermittelt werden.

Ist ein niedrigerer gemeiner Wert nachweisbar, kann auch dieser relevant sein.

Die Berechnung erklären wir ausführlich unter Grunderwerbsteuer: Grundstückswert und Stufentarif.

Gibt es eine Steuerbefreiung für den überlebenden Ehepartner?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen.

Bei einem Erwerb von Todes wegen kann für Ehegatten und eingetragene Partner eine besondere Befreiung für eine Wohnstätte gelten.

Voraussetzung ist insbesondere, dass die betreffende Wohnung beziehungsweise das Haus der erwerbenden Person im Zeitpunkt des Todes als Hauptwohnsitz gedient hat.

Die Befreiung umfasst grundsätzlich eine Wohnnutzfläche von bis zu 150 m².

Bis 150 m² können unter den gesetzlichen Voraussetzungen von der Grunderwerbsteuer befreit sein. Bei einer größeren Wohnstätte bleibt grundsätzlich der über 150 m² hinausgehende Anteil steuerpflichtig.

Gilt diese 150-m²-Befreiung auch für Kinder?

Nein, nicht als allgemeine entsprechende Wohnflächenbefreiung.

Die besondere Befreiung für die geerbte Wohnstätte nach dieser Regel gilt für Ehegatten und eingetragene Partner.

Die im Internet teilweise zu findenden Aussagen über eine allgemeine steuerfreie Wohnfläche von 200 m² für Kinder stammen aus anderen Steuersystemen und gelten nicht als österreichische Erbschaftsteuerregel.

Gibt es eine 10-jährige Behaltefrist für geerbte Häuser?

Nein. Eine allgemeine österreichische Regel, wonach ein geerbtes Haus zehn Jahre selbst bewohnt werden muss, damit eine österreichische Erbschaftsteuerbefreiung erhalten bleibt, gibt es nicht.

Solche Angaben stammen regelmäßig aus ausländischem Erbschaftsteuerrecht.

Für österreichische Erbfälle müssen stattdessen insbesondere die Grunderwerbsteuerregeln und mögliche konkrete Befreiungstatbestände geprüft werden.

Wie hoch ist die Grundbuchsgebühr bei einer geerbten Immobilie?

Zusätzlich zur Grunderwerbsteuer kann bei der Eintragung des neuen Eigentümers eine Grundbuchsgebühr von grundsätzlich 1,1 Prozent anfallen.

Die Bemessungsgrundlage ist dabei nicht zwingend dieselbe wie bei der Grunderwerbsteuer.

Begünstigung im Familienkreis

Bei bestimmten Übertragungen im erweiterten Familienkreis wird für die Eintragungsgebühr eine begünstigte Bemessungsgrundlage verwendet.

Diese beträgt grundsätzlich:

dreifacher Einheitswert, höchstens jedoch 30 Prozent des Verkehrswerts

Zum begünstigten Kreis gehören beispielsweise:

  • Ehegatten und eingetragene Partner,
  • Kinder und Eltern,
  • Großeltern und Enkel,
  • Geschwister,
  • Nichten und Neffen sowie
  • weitere gesetzlich genannte Angehörige.

Grunderwerbsteuer und Grundbuchsgebühr nicht verwechseln: Die Grunderwerbsteuer wird beim Erbfall nach den steuerlichen Regeln berechnet. Die Eintragungsgebühr ist eine Gerichtsgebühr für die Verbücherung des Eigentumsrechts.

Muss eine geerbte Immobilie ins Grundbuch eingetragen werden?

Ja. Bei geerbten Grundstücken muss das Eigentumsrecht der Erbin oder des Erben im Grundbuch nachvollzogen werden.

Als wichtige Grundlage dient insbesondere der rechtskräftige Einantwortungsbeschluss.

Zusätzlich wird grundsätzlich eine:

  • Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts oder
  • entsprechende Selbstberechnungserklärung eines Notars beziehungsweise Rechtsanwalts

benötigt.

Wird die Verbücherung nicht innerhalb einer angemessenen Frist beantragt, die grundsätzlich ein Jahr nach Rechtskraft des Einantwortungsbeschlusses nicht erheblich überschreiten soll, muss die Gerichtskommissärin beziehungsweise der Gerichtskommissär die notwendigen Grundbuchsanträge veranlassen.

Fällt beim Erben einer Immobilie Immobilienertragsteuer an?

Nein. Die Erbschaft selbst ist ein unentgeltlicher Vorgang und löst grundsätzlich keine Immobilienertragsteuer aus.

Die Immobilienertragsteuer wird grundsätzlich erst bei einer späteren entgeltlichen Veräußerung relevant.

Mehr dazu erklärt unser Ratgeber zur Immobilienertragsteuer in Österreich.

Was passiert, wenn die geerbte Immobilie später verkauft wird?

Bei einem späteren Verkauf beginnt die steuerliche Historie der Immobilie grundsätzlich nicht mit dem Todestag neu.

Für die Immobilienertragsteuer wird bei einem unentgeltlich erworbenen Grundstück grundsätzlich auf den Anschaffungszeitpunkt des Rechtsvorgängers zurückgegriffen.

Beispiel

Ein Vater kaufte ein Haus im Jahr 1995. Im Jahr 2026 erbt die Tochter die Immobilie.

Verkauft sie das Haus später, wird die Immobilie für die steuerliche Alt-/Neuvermögensbeurteilung nicht so behandelt, als hätte sie es erst 2026 gekauft.

Der frühere Anschaffungszeitpunkt des Vaters bleibt grundsätzlich relevant.

Das kann erhebliche Auswirkungen auf die spätere ImmoESt haben. Deshalb sollten alte Kaufverträge, Rechnungen und andere Unterlagen des Verstorbenen möglichst aufbewahrt werden.

Was passiert bei einer geerbten vermieteten Wohnung?

Bei einer bereits vermieteten Immobilie gelten ebenfalls Fortführungsregeln.

Wurde das Gebäude bereits vom Rechtsvorgänger vermietet und wird die Vermietung fortgesetzt, wird grundsätzlich auch die steuerliche Abschreibung – die AfA – fortgeführt.

Es entsteht daher nicht automatisch eine neue AfA-Bemessungsgrundlage nur aufgrund des aktuellen Marktwerts der geerbten Immobilie.

Erben einer vermieteten Immobilie sollten daher die steuerlichen Unterlagen des Verstorbenen übernehmen: ursprüngliche Anschaffungskosten, Gebäudeanteil, bisherige AfA und relevante Herstellungs- oder Instandsetzungsaufwendungen können weiterhin benötigt werden.

Was passiert mit Schulden des Verstorbenen?

Eine Verlassenschaft besteht nicht nur aus Vermögen.

Grundsätzlich können auch Verpflichtungen und Schulden vererblich sein.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Bankkredite,
  • Steuerschulden,
  • Sozialversicherungsbeiträge,
  • Miet- und Betriebskostenrückstände,
  • Leasingverbindlichkeiten oder
  • andere privatrechtliche Verpflichtungen.

Was ist eine unbedingte Erbantrittserklärung?

Bei einer unbedingten Erbantrittserklärung haftet die Erbin oder der Erbe grundsätzlich unbeschränkt für die Schulden der Verlassenschaft.

Das bedeutet, dass auch das eigene Vermögen zur Haftung herangezogen werden kann, wenn die Schulden höher sind als das erhaltene Erbe.

Bei unklarer Schuldenlage sollte deshalb nicht vorschnell eine unbedingte Erbantrittserklärung abgegeben werden.

Was ist eine bedingte Erbantrittserklärung?

Mit einer bedingten Erbantrittserklärung kann die Haftung beschränkt werden.

Die Haftung besteht dann grundsätzlich:

  • nur bis zum Wert der Aktiva der Verlassenschaft und
  • nur entsprechend der eigenen Erbquote.

Im Gegenzug ist regelmäßig eine genauere Inventarisierung der Verlassenschaft notwendig.

Was gilt beim Erben eines Unternehmens?

Auch bei einem geerbten Unternehmen gibt es keine allgemeine österreichische Erbschaftssteuer.

Die im Ausland teilweise geltenden:

  • 85-%-Verschonungsabschläge,
  • 100-%-Optionsverschonungen,
  • Lohnsummenregeln oder
  • 150.000-Euro-Abzugsbeträge

sind keine österreichischen Erbschaftsteuerregeln.

Enthält ein Betrieb jedoch Grundstücke, kann die österreichische Grunderwerbsteuer relevant werden.

Gibt es bei Betriebsübertragungen einen Freibetrag?

Ja. Bei bestimmten unentgeltlichen beziehungsweise teilunentgeltlichen Betriebsübertragungen besteht im Grunderwerbsteuerrecht ein Freibetrag von bis zu 900.000 Euro für betriebliches Grundvermögen.

Die Begünstigung ist an mehrere Voraussetzungen geknüpft.

Dazu gehören insbesondere:

  • Erwerber ist eine natürliche Person,
  • das Vermögen dient betrieblichen Einkünften,
  • der Betrieb kann wegen Tod, entsprechendem Alter oder Erwerbsunfähigkeit nicht weiter vom bisherigen Inhaber geführt werden und
  • es wird grundsätzlich zumindest ein Viertel des Betriebs oder Mitunternehmeranteils übertragen.

Bei einem Erwerb von Todes wegen kann der Tod des bisherigen Betriebsinhabers damit eine entsprechende Voraussetzung erfüllen.

Der Freibetrag von 900.000 Euro ist keine allgemeine Erbschaftsteuerfreigrenze. Er betrifft nur bestimmte grunderwerbsteuerliche Betriebsübertragungen.

Was gilt bei Land- und Forstwirtschaft?

Für bestimmte unentgeltliche Betriebsübertragungen im Bereich Land- und Forstwirtschaft besteht eine eigene Begünstigung.

Der entsprechende Freibetrag beträgt grundsätzlich 365.000 Euro.

Muss ein geerbtes Unternehmen weitergeführt werden?

Es gibt in Österreich keine allgemeine Erbschaftsteuerregel, nach der ein Unternehmen fünf oder sieben Jahre fortgeführt und dabei eine bestimmte Lohnsumme erhalten werden muss, um 85 oder 100 Prozent einer allgemeinen Erbschaftsteuer zu vermeiden.

Die im bisherigen Alttext enthaltenen Lohnsummen- und Verschonungsregeln gehören nicht zum österreichischen System.

Für konkrete Betriebsübertragungen gelten stattdessen unterschiedliche Regeln aus:

  • Einkommensteuerrecht,
  • Grunderwerbsteuerrecht,
  • Unternehmensrecht und
  • Gesellschaftsrecht.

Was gilt bei einem Erbe aus dem Ausland?

Dass Österreich keine allgemeine Erbschaftssteuer erhebt, bedeutet nicht automatisch, dass ein grenzüberschreitendes Erbe weltweit steuerfrei ist.

Andere Staaten können eigene:

  • Erbschaftsteuern,
  • Nachlasssteuern,
  • Immobiliensteuern oder
  • Meldepflichten

vorsehen.

Relevant können insbesondere sein:

  • Wohnsitz der verstorbenen Person,
  • Wohnsitz der Erbin beziehungsweise des Erben,
  • Belegenheit von Grundstücken und
  • Standort oder Registrierung anderer Vermögenswerte.

Bei einem grenzüberschreitenden Erbe sollte deshalb immer auch das Steuerrecht des anderen Staates geprüft werden.

Erbschaft oder Schenkung zu Lebzeiten – was ist steuerlich besser?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten.

Eine Schenkung zu Lebzeiten kann sinnvoll sein, um Eigentumsverhältnisse frühzeitig zu regeln. Sie kann jedoch:

  • bei Immobilien ebenfalls Grunderwerbsteuer auslösen,
  • bei anderem Vermögen eine Schenkungsmeldung erforderlich machen und
  • zivilrechtliche Folgen für Pflichtteile und spätere Erbansprüche haben.

Die aktuellen Meldegrenzen und Regeln erklärt unser Beitrag zur Schenkungssteuer in Österreich.

Kommt die Erbschaftssteuer in Österreich zurück?

Stand 7. Oktober 2026 gibt es keine allgemeine Erbschaftssteuer und keine beschlossene Wiedereinführung.

Die Einführung einer Erbschaftssteuer wird politisch weiterhin diskutiert.

Im Jahr 2026 wurden im Nationalrat beziehungsweise im Finanzausschuss erneut entsprechende Vorschläge eingebracht. Ein Antrag zur Einführung einer Erbschaftsteuer für sehr große Erbschaften wurde im Juli 2026 im Nationalrat abgelehnt; ein weiterer Antrag wurde Ende September im Finanzausschuss erneut vertagt.

Die Bundesregierung hat im Zusammenhang mit dem Doppelbudget 2027/2028 zugleich festgehalten, dass auf der Einnahmenseite keine Vermögens- oder Erbschaftssteuer vorgesehen ist.

Für aktuelle Erbfälle gilt daher weiterhin: Es existiert keine allgemeine österreichische Erbschaftssteuer. Politische Forderungen oder parlamentarische Anträge sind nicht mit geltendem Steuerrecht gleichzusetzen.

Welche Steuern können nach dem Erben später entstehen?

Der Erbanfall selbst kann steuerfrei sein, während die weitere Nutzung des Vermögens steuerliche Folgen auslöst.

Geerbtes Vermögen Mögliche spätere Steuer
Bankguthaben KESt auf spätere Zinsen
Aktien KESt auf Dividenden und spätere Veräußerungsgewinne
Vermietete Wohnung Einkommensteuer auf Vermietungseinkünfte
Immobilie bei späterem Verkauf Immobilienertragsteuer möglich
Unternehmen Laufende betriebliche Einkommen- beziehungsweise Körperschaftsteuer

Die häufigsten Irrtümer zur Erbschaftssteuer

  • „Österreich hat eine Erbschaftssteuer von bis zu 50 Prozent.“ Eine allgemeine österreichische Erbschaftssteuer gibt es nicht.
  • „Immobilien werden mit Erbschaftssteuer belastet.“ Bei österreichischen Grundstücken handelt es sich grundsätzlich um Grunderwerbsteuer.
  • „Jedes Erbe über 50.000 Euro muss dem Finanzamt gemeldet werden.“ Die 50.000-Euro-Regel betrifft bestimmte Schenkungen unter Lebenden und nicht normale Erbfälle.
  • „Kinder können 200 m² eines Hauses steuerfrei erben.“ Eine solche allgemeine österreichische Erbschaftsteuerbefreiung gibt es nicht.
  • „Ein geerbtes Haus muss zehn Jahre selbst bewohnt werden.“ Das ist keine allgemeine österreichische Erbschaftsteuerregel.
  • „Ein geerbtes Unternehmen ist zu 85 Prozent steuerfrei.“ Solche allgemeinen Verschonungsregeln gehören nicht zum österreichischen Erbschaftsteuersystem.
  • „Aktien erhalten beim Erben automatisch einen neuen Anschaffungswert.“ Grundsätzlich werden Anschaffungszeitpunkt und Anschaffungskosten des Rechtsvorgängers fortgeführt.
  • „Eine Erbschaft ist komplett kostenlos.“ Verlassenschafts-, Grundbuchs- und gegebenenfalls Grunderwerbsteuerkosten können trotzdem entstehen.
  • „Keine Erbschaftssteuer bedeutet, dass spätere Erträge steuerfrei sind.“ Zinsen, Dividenden, Mieteinnahmen oder spätere Veräußerungsgewinne können steuerpflichtig sein.

Checkliste: Was sollten Erben prüfen?

  • Vermögenswerte: Welche Konten, Wertpapiere, Immobilien und Unternehmen gehören zur Verlassenschaft?
  • Schulden: Welche Kredite, Steuern oder sonstigen Verpflichtungen bestehen?
  • Erbantritt: Ist eine bedingte Erbantrittserklärung wegen unklarer Schulden sinnvoll?
  • Immobilien: Muss Grunderwerbsteuer berechnet werden?
  • Hauptwohnsitz: Greift bei Ehegatten oder eingetragenen Partnern die 150-m²-Befreiung?
  • Grundbuch: Welche Eintragungsgebühr und Bemessungsgrundlage gelten?
  • Wertpapiere: Wurde der unentgeltliche Erwerb gegenüber der Bank dokumentiert?
  • Anschaffungskosten: Sind alte Belege für Aktien oder Immobilien vorhanden?
  • Vermietung: Müssen AfA und andere steuerliche Werte fortgeführt werden?
  • Betrieb: Sind betriebliche Grundstücke und mögliche Freibeträge betroffen?
  • Ausland: Gibt es Vermögen oder Beteiligte in Staaten mit eigener Erbschaftsteuer?
  • Dokumentation: Einantwortungsbeschluss und relevante Unterlagen langfristig aufbewahren.

Fazit: Keine allgemeine Erbschaftssteuer – aber mehrere mögliche Folgekosten

In Österreich gibt es weiterhin keine allgemeine Erbschaftssteuer. Das gilt für Bargeld ebenso wie für Sparguthaben, Aktien oder Unternehmensanteile.

Besondere Aufmerksamkeit benötigen Immobilien. Bei geerbten Grundstücken, Häusern und Wohnungen fällt grundsätzlich Grunderwerbsteuer nach dem Stufentarif von 0,5 bis 3,5 Prozent an. Zusätzlich kann eine Grundbuchsgebühr entstehen.

Für Ehegatten und eingetragene Partner besteht unter bestimmten Voraussetzungen eine Grunderwerbsteuerbefreiung für bis zu 150 m² einer gemeinsam bewohnten Wohnstätte.

Auch Wertpapiere und vermietete Immobilien sollten steuerlich dokumentiert werden, weil die steuerlichen Anschaffungswerte beziehungsweise Abschreibungsgrundlagen des Rechtsvorgängers für spätere Einkünfte und Verkäufe weiter relevant sein können.

Die drei wichtigsten Punkte: Auf das Erbe selbst fällt keine allgemeine Erbschaftssteuer an. Immobilien können Grunderwerbsteuer auslösen. Und für spätere Verkäufe oder Erträge sollte die steuerliche Historie des geerbten Vermögens unbedingt aufbewahrt werden.

Häufige Fragen zur Erbschaftssteuer in Österreich

Gibt es in Österreich eine Erbschaftssteuer?

Nein. Für Erbfälle wird seit dem 1. August 2008 keine allgemeine österreichische Erbschaftssteuer mehr erhoben.

Wie hoch ist die Erbschaftssteuer 2026?

Es gibt keinen allgemeinen österreichischen Erbschaftssteuersatz. Bei geerbten Immobilien kann stattdessen Grunderwerbsteuer anfallen.

Muss ich geerbtes Bargeld versteuern?

Der Erbanfall von Bargeld löst grundsätzlich keine allgemeine Erbschaftssteuer aus.

Muss ich ein geerbtes Sparbuch versteuern?

Auf das geerbte Guthaben fällt grundsätzlich keine allgemeine Erbschaftssteuer an. Spätere Zinserträge können jedoch der Kapitalertragsteuer unterliegen.

Muss ich geerbte Aktien versteuern?

Der unentgeltliche Erwerb durch Erbschaft löst grundsätzlich keine Steuer auf die bis dahin entstandene Wertsteigerung aus. Bei einem späteren Verkauf können jedoch steuerpflichtige Veräußerungsgewinne entstehen.

Welcher Anschaffungspreis gilt bei geerbten Aktien?

Bei einer unentgeltlichen Übertragung werden grundsätzlich der Anschaffungszeitpunkt und die Anschaffungskosten des Rechtsvorgängers fortgeführt.

Muss ich ein Erbe über 50.000 Euro melden?

Eine allgemeine 50.000-Euro-Meldegrenze für Erbschaften gibt es nicht. Diese Grenze betrifft bestimmte Schenkungen zwischen Angehörigen. Erbschaften werden über das Verlassenschaftsverfahren abgewickelt.

Muss ich auf ein geerbtes Haus Steuer zahlen?

Eine allgemeine Erbschaftssteuer fällt nicht an. Bei einem österreichischen Grundstück entsteht aber grundsätzlich Grunderwerbsteuer.

Wie hoch ist die Grunderwerbsteuer bei einer Erbschaft?

Bei gewöhnlichem Grundvermögen gilt grundsätzlich der Stufentarif: 0,5 Prozent für die ersten 250.000 Euro Grundstückswert, 2 Prozent für die nächsten 150.000 Euro und 3,5 Prozent für den darüber hinausgehenden Teil.

Zahlt man 3,5 Prozent auf den gesamten Grundstückswert?

Nein. Bei einem unentgeltlichen Erwerb wird der Stufentarif auf die jeweiligen Teile des Grundstückswerts angewendet.

Gibt es eine Befreiung für den Ehepartner?

Bei Erwerb einer Wohnstätte von Todes wegen kann für Ehegatten und eingetragene Partner unter bestimmten Voraussetzungen eine Befreiung bis zu 150 m² Wohnnutzfläche bestehen, wenn die Wohnstätte im Todeszeitpunkt dem erwerbenden Partner als Hauptwohnsitz diente.

Können Kinder ein Haus bis 200 m² steuerfrei erben?

Eine allgemeine österreichische 200-m²-Erbschaftsteuerbefreiung für Kinder existiert nicht.

Muss ein geerbtes Haus zehn Jahre behalten werden?

Eine allgemeine österreichische Erbschaftsteuerregel mit zehnjähriger Selbstnutzungspflicht besteht nicht.

Fällt beim Erben Immobilienertragsteuer an?

Nein. Die Erbschaft ist eine unentgeltliche Übertragung und löst grundsätzlich keine Immobilienertragsteuer aus.

Was passiert bei einem späteren Verkauf der geerbten Immobilie?

Dann kann Immobilienertragsteuer anfallen. Für die steuerliche Beurteilung wird grundsätzlich auf den Anschaffungszeitpunkt des Rechtsvorgängers zurückgegriffen.

Wie hoch ist die Grundbuchsgebühr bei einer geerbten Immobilie?

Für die Eintragung des Eigentumsrechts beträgt die Gebühr grundsätzlich 1,1 Prozent der maßgeblichen Bemessungsgrundlage. Bei bestimmten Übertragungen im Familienkreis gilt eine begünstigte Bemessungsgrundlage.

Welche Bemessungsgrundlage gilt bei der Grundbuchsgebühr innerhalb der Familie?

Bei begünstigten Erwerbsvorgängen wird grundsätzlich der dreifache Einheitswert herangezogen, höchstens jedoch 30 Prozent des Verkehrswerts.

Wie hoch ist die Gerichtsgebühr beim Verlassenschaftsverfahren?

Sie beträgt grundsätzlich fünf Promille des reinen Verlassenschaftsvermögens, mindestens jedoch 100 Euro.

Erbe ich auch die Schulden?

Grundsätzlich können auch Schulden Teil der Verlassenschaft sein. Die Art der Erbantrittserklärung entscheidet wesentlich über den Umfang der Haftung.

Was ist eine bedingte Erbantrittserklärung?

Damit wird die Haftung grundsätzlich auf den Wert der Aktiva der Verlassenschaft und auf den eigenen Erbanteil beschränkt.

Fällt bei einem geerbten Unternehmen Erbschaftssteuer an?

Nein. Eine allgemeine Erbschaftssteuer gibt es auch für Unternehmensvermögen nicht. Enthält der Betrieb Grundstücke, können jedoch insbesondere Grunderwerbsteuerregeln relevant sein.

Gibt es bei einem geerbten Betrieb einen Freibetrag?

Bei bestimmten begünstigten Betriebsübertragungen kann für grunderwerbsteuerlich relevantes Betriebsvermögen ein Freibetrag von bis zu 900.000 Euro bestehen. Dafür müssen mehrere gesetzliche Voraussetzungen erfüllt sein.

Kommt die Erbschaftssteuer wieder?

Stand 7. Oktober 2026 ist keine allgemeine Erbschaftssteuer beschlossen. Politische Vorschläge werden weiterhin diskutiert, gelten aber nicht als geltendes Steuerrecht.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Stand der fachlichen Prüfung: 7. Oktober 2026.

Hinweis: Die konkrete steuerliche und rechtliche Behandlung eines Erbes hängt unter anderem von Vermögensart, Immobilienbesitz, Schulden, Familienverhältnissen, Unternehmensvermögen und Auslandsbezug ab. Bei größeren oder komplexen Verlassenschaften sollte der konkrete Einzelfall mit Notar, Rechtsanwalt oder Steuerberatung geprüft werden.

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