Welche Umsatzsteuer müssen Unternehmen in Österreich 2026 verrechnen und wann ist sie an das Finanzamt abzuführen? Der allgemeine Umsatzsteuersatz beträgt 20 Prozent. Für bestimmte Lieferungen und Leistungen gelten ermäßigte Steuersätze von 13 oder 10 Prozent. Seit 1. Juli 2026 gibt es außerdem einen neuen Steuersatz von 4,9 Prozent für ausgewählte Nahrungsmittel. Kleinunternehmer können unter bestimmten Voraussetzungen bis zu einer jährlichen Umsatzgrenze von 55.000 Euro von der Umsatzsteuer befreit sein.
Für Unternehmer ist aber nicht nur der richtige Steuersatz entscheidend. Sie müssen außerdem prüfen, ob eine Steuerbefreiung besteht, wann Umsatzsteuer auf einer Rechnung ausgewiesen werden darf, welche Vorsteuer abgezogen werden kann und ob Umsatzsteuervoranmeldungen (UVA) einzureichen sind. Besonders wichtig sind die seit 2025 geltende Kleinunternehmerregelung und die 2026 geänderten Lebensmittelsteuersätze.
Umsatzsteuer 2026 auf einen Blick: Normalsteuersatz 20 Prozent; ermäßigte Steuersätze 13, 10 und seit Juli 2026 auch 4,9 Prozent. Die Kleinunternehmergrenze beträgt 55.000 Euro jährlich mit einer besonderen 10-Prozent-Toleranz im Überschreitungsjahr. Für die verpflichtende regelmäßige UVA-Abgabe sind grundsätzlich 55.000 Euro beziehungsweise 100.000 Euro Vorjahresumsatz maßgeblich. Umsatzsteuervorauszahlungen sind grundsätzlich am 15. Tag des zweitfolgenden Monats fällig.
Was ist die Umsatzsteuer und wer muss sie bezahlen?
Die Umsatzsteuer (USt), umgangssprachlich auch Mehrwertsteuer genannt, ist eine Steuer auf bestimmte Lieferungen und sonstige Leistungen.
Rechtsgrundlage ist das Umsatzsteuergesetz 1994 (UStG). Nach § 1 UStG unterliegen insbesondere Lieferungen und sonstige Leistungen, die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt, der Umsatzsteuer.
Bei einem gewöhnlichen Verkauf an Privatkunden ist die Umsatzsteuer bereits im Bruttopreis enthalten. Das Unternehmen vereinnahmt sie und muss sie nach den gesetzlichen Vorschriften an das Finanzamt abführen.
Ein Unternehmer, der selbst Waren oder Dienstleistungen für sein Unternehmen einkauft, kann die ihm verrechnete Umsatzsteuer bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen als Vorsteuer geltend machen.
Die Umsatzsteuer ist daher grundsätzlich darauf ausgelegt, den privaten Endverbrauch zu belasten. Im Unternehmensbereich kann die Vorsteuerabzugsberechtigung eine Steuerbelastung auf vorgelagerten Produktions- und Handelsstufen vermeiden.
Allerdings sind nicht alle Unternehmen vorsteuerabzugsberechtigt und nicht sämtliche Umsätze steuerpflichtig. Auch durch eine fehlerhafte Rechnung kann eine Umsatzsteuerschuld entstehen.
Wer gilt umsatzsteuerlich als Unternehmer?
Nach § 2 UStG ist grundsätzlich Unternehmer, wer eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbstständig und nachhaltig zur Erzielung von Einnahmen ausübt.
Dazu können beispielsweise Einzelunternehmer, GmbHs, Freiberufler, Gewerbetreibende, Vortragende und Personen mit bestimmten Vermietungsumsätzen gehören.
Ob eine Tätigkeit gewerberechtlich als Gewerbe angemeldet werden muss, ist eine davon getrennte Frage. Auch eine selbstständige Tätigkeit ohne klassische Gewerbeberechtigung kann umsatzsteuerlich unternehmerisch sein.
Umsatzsteuersätze 2026: 4,9 %, 10 %, 13 % oder 20 %?
Die Höhe der Umsatzsteuer hängt davon ab, welcher Lieferung oder Leistung der jeweilige Umsatz zuzuordnen ist.
Der allgemeine Steuersatz von 20 Prozent gilt grundsätzlich, sofern das Umsatzsteuergesetz keine Steuerbefreiung oder einen ermäßigten Steuersatz vorsieht.
| Steuersatz | Typische Anwendung 2026 |
|---|---|
| 20 % | Allgemeiner Steuersatz für viele Waren und Dienstleistungen |
| 13 % | Bestimmte lebende Pflanzen, Brennholz und weitere gesetzlich begünstigte Leistungen |
| 10 % | Unter anderem Beherbergung, bestimmte Bücher, Wohnraumvermietung und viele Lebensmittel, soweit kein anderer Satz gilt |
| 4,9 % | Seit 1. Juli 2026 ausgewählte Nahrungsmittel nach Anlage 3 zum UStG |
Diese Beispiele dienen der Orientierung. Entscheidend für die konkrete Rechnung ist die gesetzliche Einordnung der tatsächlich gelieferten Ware beziehungsweise erbrachten Leistung.
Neu seit 1. Juli 2026: 4,9 Prozent auf ausgewählte Grundnahrungsmittel
Mit der am 10. Juni 2026 kundgemachten Änderung des Umsatzsteuergesetzes wurde für ausgewählte Nahrungsmittel ein ermäßigter Steuersatz von 4,9 Prozent eingeführt. Er gilt seit 1. Juli 2026.
Zu den begünstigten Bereichen gehören bestimmte Milchprodukte, Eier, Gemüse, Obst, Getreideerzeugnisse und weitere konkret definierte Waren.
Für die Anwendung reicht die allgemeine Bezeichnung „Lebensmittel“ nicht aus. Maßgeblich ist die Einordnung des Produkts in die in Anlage 3 zum Umsatzsteuergesetz angeführten Positionen beziehungsweise Unterpositionen der Kombinierten Nomenklatur.
Auch zusammengesetzte Produkte können anders zu behandeln sein als ihre einzelnen Zutaten.
Das Unternehmensserviceportal nennt beispielsweise eine Wurstsemmel und ein Kakaogetränk als Fälle, in denen weiterhin der Steuersatz von 10 Prozent zur Anwendung kommt. Ebenso sind gewöhnliche Restaurant- und Cateringumsätze nicht schon wegen der enthaltenen Lebensmittel vom neuen Satz von 4,9 Prozent erfasst.
Bei Retouren für Lieferungen vor dem 1. Juli 2026 ist grundsätzlich der ursprüngliche Steuersatz für die entsprechende Berichtigung maßgeblich.
Die detaillierten Abgrenzungen erläutert das Unternehmensserviceportal zum neuen Umsatzsteuersatz von 4,9 Prozent.
Wie berechnet man die Umsatzsteuer aus Netto oder Brutto?
Die Berechnung richtet sich nach dem für den Umsatz geltenden Steuersatz.
Bei 20 Prozent Umsatzsteuer gilt:
- Bruttopreis = Nettopreis × 1,20
- Nettopreis = Bruttopreis ÷ 1,20
- Umsatzsteuer = Nettopreis × 0,20
Beispiel: Ein österreichisches Unternehmen erbringt eine mit 20 Prozent steuerpflichtige Dienstleistung für 1.500 Euro netto.
| Berechnung | Betrag |
|---|---|
| Nettohonorar | 1.500 € |
| 20 % Umsatzsteuer | 300 € |
| Rechnungsbetrag brutto | 1.800 € |
Bei einem Bruttopreis von 1.800 Euro beträgt die enthaltene Umsatzsteuer daher 300 Euro und nicht 360 Euro. Die Umsatzsteuer wird beim Herausrechnen aus einem Bruttopreis nicht einfach mit 20 Prozent des Bruttobetrags berechnet.
Kleinunternehmerregelung 2026: Umsatzsteuerfrei bis 55.000 Euro?
Die umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung ist in § 6 Abs. 1 Z 27 UStG geregelt.
Seit 1. Jänner 2025 beträgt die Kleinunternehmergrenze 55.000 Euro im Kalenderjahr. Die frühere Umsatzgrenze von 35.000 Euro gilt für das Steuerjahr 2026 nicht mehr.
Für ein Unternehmen mit Sitz der wirtschaftlichen Tätigkeit in Österreich ist die Befreiung bei Erfüllung der Voraussetzungen grundsätzlich ohne gesonderten Antrag anwendbar.
Insbesondere darf die maßgebliche Umsatzgrenze weder im vorangegangenen Kalenderjahr noch im laufenden Kalenderjahr überschritten worden sein. Für eine Überschreitung im laufenden Jahr gibt es eine besondere Toleranzregelung.
Wichtig ist, dass die seit 2025 geltende Grenze von 55.000 Euro auf das gesamte vereinbarte Entgelt abstellt und in der Praxis als Bruttogrenze bezeichnet wird. Sie ist nicht mit einem Gewinnfreibetrag und auch nicht mit einer Grenze von 55.000 Euro Nettogewinn zu verwechseln.
Was passiert bei Überschreitung um höchstens 10 Prozent?
Wird die Kleinunternehmergrenze im laufenden Kalenderjahr um nicht mehr als 10 Prozent überschritten, kann die Steuerbefreiung grundsätzlich noch bis zum Jahresende angewendet werden.
Das entspricht einer Toleranzgrenze von 60.500 Euro.
Für das folgende Kalenderjahr ist die Kleinunternehmerbefreiung jedoch nicht mehr anwendbar, wenn die eigentliche Kleinunternehmergrenze von 55.000 Euro überschritten wurde.
Beispiel: Ein österreichischer Kleinunternehmer hat 2025 einen maßgeblichen Umsatz von 40.000 Euro erzielt. Im Jahr 2026 beträgt sein maßgeblicher Umsatz insgesamt 57.000 Euro. Bei Erfüllung sämtlicher weiteren Voraussetzungen bleibt die Kleinunternehmerbefreiung für die Umsätze des Jahres 2026 erhalten. Ab 2027 kann er sie aufgrund der Überschreitung der eigentlichen Grenze im Vorjahr nicht mehr nutzen.
Was passiert bei mehr als 60.500 Euro Umsatz?
Überschreitet ein Kleinunternehmer im laufenden Jahr die Grenze von 55.000 Euro um mehr als 10 Prozent, entfällt die Steuerbefreiung bereits für jenen Umsatz, mit dem die Toleranzgrenze überschritten wird, und für die weiteren Umsätze.
Beispiel: Ein bisher befreiter Unternehmer erzielt bis Ende Oktober 2026 einen maßgeblichen Umsatz von 54.800 Euro. Im November führt er einen weiteren Umsatz von 7.000 Euro aus.
Durch diesen Umsatz werden insgesamt 61.800 Euro erreicht. Damit wird die Toleranzgrenze von 60.500 Euro überschritten.
Die Befreiung entfällt deshalb bereits für den auslösenden Umsatz von 7.000 Euro und für die nachfolgenden Umsätze. Es wird nicht bloß der über 60.500 Euro liegende Teil besteuert.
Achtung beim Überschreiten der Grenze: Die 10-Prozent-Toleranz ist keine dauerhaft erhöhte Kleinunternehmergrenze. Eine Überschreitung von 55.000 Euro kann auch dann zum Verlust der Befreiung im Folgejahr führen, wenn für das laufende Jahr noch keine Umsatzsteuer auf die bisherigen Umsätze anfällt.
Kann ein Kleinunternehmer freiwillig Umsatzsteuer verrechnen?
Ja. Nach § 6 Abs. 3 UStG kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen auf die Kleinunternehmerbefreiung verzichtet werden.
In diesem Fall unterliegen die betreffenden Umsätze grundsätzlich der normalen Umsatzbesteuerung. Gleichzeitig kommt bei Vorliegen der Voraussetzungen der Vorsteuerabzug in Betracht.
Eine solche Entscheidung kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn hohe betriebliche Investitionen anstehen und die Vorsteuer daraus relevant ist. Sie ist aber nicht automatisch vorteilhaft, besonders wenn überwiegend Privatkunden bedient werden.
Die Option ist grundsätzlich für fünf Jahre bindend. Sie sollte daher nicht allein wegen einer einzelnen Eingangsrechnung ausgeübt werden, ohne die Auswirkungen auf die künftige Preisgestaltung und Steuerbelastung zu prüfen.
Für die rechtlichen Details und die einschlägigen Formulare ist die aktuelle Kleinunternehmer-Information des USP maßgeblich.
Vorsteuerabzug: Welche Umsatzsteuer darf ein Unternehmen gegenrechnen?
Als Vorsteuer bezeichnet man die Umsatzsteuer, die einem Unternehmen für betriebliche Einkäufe oder Leistungen anderer Unternehmer in Rechnung gestellt wird.
Bei einem vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmen kann diese Vorsteuer unter den Voraussetzungen des § 12 UStG von der selbst geschuldeten Umsatzsteuer abgezogen werden.
Typische Voraussetzungen sind:
- Der Einkauf oder Leistungsbezug erfolgt für das Unternehmen.
- Die gesetzlichen Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs liegen vor.
- Eine ordnungsgemäße Rechnung ist vorhanden, soweit eine solche erforderlich ist.
- Für den betreffenden Umsatz besteht kein gesetzliches Abzugsverbot.
- Die eigene Tätigkeit berechtigt zum Vorsteuerabzug.
Unternehmen, die ausschließlich unter die gewöhnliche unechte Kleinunternehmerbefreiung fallen, dürfen ihre Vorsteuer grundsätzlich nicht abziehen.
Rechenbeispiel: Umsatzsteuer minus Vorsteuer
Ein regelbesteuertes österreichisches Unternehmen erbringt steuerpflichtige Dienstleistungen im Nettowert von 3.000 Euro. Für diese Umsätze gilt der Steuersatz von 20 Prozent.
Im selben maßgeblichen Voranmeldungszeitraum fallen bei vollständig vorsteuerabzugsberechtigten betrieblichen Einkäufen 240 Euro Vorsteuer an.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Steuerpflichtige Netto-Umsätze | 3.000 € |
| 20 % Umsatzsteuer auf die Umsätze | 600 € |
| Abziehbare Vorsteuer | −240 € |
| Umsatzsteuerzahllast | 360 € |
In diesem vereinfachten Beispiel ergeben sich 360 Euro Umsatzsteuerzahllast. Weitere steuerliche Tatbestände, Berichtigungen oder bereits geleistete Vorauszahlungen sind nicht berücksichtigt.
Übersteigt die abziehbare Vorsteuer die geschuldete Umsatzsteuer, kann sich stattdessen ein Vorsteuerüberschuss ergeben.
Ausführlichere Informationen zu ordnungsgemäßen Rechnungen, Sonderfällen und Abzugsverboten enthält unser Beitrag zum Vorsteuerabzug in Österreich.
Umsatzsteuervoranmeldung 2026: Monatlich, vierteljährlich oder keine UVA?
Unternehmen, die der Umsatzsteuer unterliegen, müssen diese grundsätzlich selbst berechnen und nach den gesetzlichen Regeln an das Finanzamt abführen.
Die Umsatzsteuervoranmeldung wird kurz UVA genannt. Darin werden die geschuldete Umsatzsteuer und die abzugsfähige Vorsteuer des jeweiligen Zeitraums gegenübergestellt.
Für die Häufigkeit der verpflichtenden regelmäßigen UVA-Abgabe ist grundsätzlich der relevante Umsatz des vorangegangenen Kalenderjahres entscheidend.
| Vorjahresumsatz | Reguläre UVA-Regel 2026 |
|---|---|
| Bis 55.000 € | Unter bestimmten Voraussetzungen keine laufende Abgabepflicht |
| Über 55.000 € bis 100.000 € | Vierteljährliche UVA |
| Über 100.000 € | Monatliche UVA |
Auch bei einem Vorjahresumsatz bis 55.000 Euro können besondere Umstände eine UVA-Abgabe erforderlich machen. Das gilt beispielsweise bei einer Aufforderung durch das Finanzamt, bei bestimmten Vorsteuerüberschüssen oder wenn eine geschuldete Vorauszahlung nicht fristgerecht und vollständig entrichtet wird.
Ein regelbesteuertes Unternehmen kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen den monatlichen Voranmeldungszeitraum wählen. Bei einer Unternehmensgründung ist der Umsatz für das erste Kalenderjahr zu schätzen.
Bis wann muss die Umsatzsteuer bezahlt werden?
Eine Umsatzsteuervorauszahlung ist grundsätzlich am 15. Tag des zweitfolgenden Kalendermonats fällig.
Das bedeutet:
- Monatliche UVA: Für den Voranmeldungszeitraum Mai ist grundsätzlich der 15. Juli relevant.
- Vierteljährliche UVA: Für das erste Quartal ist grundsätzlich der 15. Mai relevant.
- Zweites Quartal: Grundsätzlich der 15. August.
- Drittes Quartal: Grundsätzlich der 15. November.
- Viertes Quartal: Grundsätzlich der 15. Februar des Folgejahres.
Fällt ein gesetzlicher Termin auf ein Wochenende oder einen Feiertag, sind die einschlägigen abgabenrechtlichen Fristenregeln zu beachten.
Die Umsatzsteuer ist eine Selbstberechnungsabgabe. Wer eine UVA abgeben oder eine Vorauszahlung leisten muss, darf daher nicht automatisch auf eine individuelle Zahlungsaufforderung des Finanzamts warten.
Wie wird eine UVA eingereicht?
Die Abgabe erfolgt grundsätzlich elektronisch über FinanzOnline.
Im Ausnahmefall einer unzumutbaren elektronischen Übermittlung steht das vorgesehene amtliche Formular U30 zur Verfügung.
Unternehmen sollten ihre Umsätze und Vorsteuern laufend aufzeichnen, den passenden Voranmeldungszeitraum bestimmen und sicherstellen, dass die Umsatzsteuer rechtzeitig bezahlt wird.
Die einzelnen Voraussetzungen erläutert das USP zur Umsatzsteuervoranmeldung.
Wann ist die Umsatzsteuerjahreserklärung fällig?
Nach Ablauf des Kalenderjahres müssen zur Erklärung verpflichtete Unternehmen grundsätzlich eine Umsatzsteuerjahreserklärung einreichen. Dafür ist das Formular U1 beziehungsweise die elektronische Erklärung in FinanzOnline vorgesehen.
Für das Steuerjahr 2026 gelten grundsätzlich folgende Abgabefristen:
- Papiererklärung: 30. April 2027
- Elektronische Erklärung über FinanzOnline: 30. Juni 2027
Unter bestimmten Voraussetzungen sind Fristverlängerungen möglich. Bei steuerlicher Vertretung können abweichende verlängerte Abgabefristen gelten.
Von der Verpflichtung zur Abgabe einer Umsatzsteuerjahreserklärung sind unter anderem bestimmte Kleinunternehmer ausgenommen, deren maßgebliche Umsätze 55.000 Euro nicht übersteigen und die für den Veranlagungszeitraum keine Steuer zu entrichten haben.
Die Befreiung von der Jahreserklärung gilt daher nicht uneingeschränkt für jede Person, die sich selbst als Kleinunternehmer bezeichnet.
Wann entsteht die Umsatzsteuerschuld: Soll- oder Istbesteuerung?
Die Umsatzsteuer kann nach vereinbarten oder nach vereinnahmten Entgelten berechnet werden. Die beiden Verfahren werden als Sollbesteuerung und Istbesteuerung bezeichnet.
Sollbesteuerung: Entscheidend ist grundsätzlich die Leistung
Bei der Sollbesteuerung kommt es grundsätzlich auf den Zeitpunkt der ausgeführten Lieferung oder sonstigen Leistung an, nicht erst auf den Zahlungseingang.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine spätere Rechnungslegung den Zeitpunkt des Entstehens der Steuerschuld um höchstens einen Monat verschieben. Für Anzahlungen gelten eigene Regeln.
Das kann dazu führen, dass ein Unternehmen Umsatzsteuer an das Finanzamt bezahlen muss, obwohl die Kundin oder der Kunde die betreffende Rechnung noch nicht beglichen hat.
Istbesteuerung: Entscheidend ist grundsätzlich die Zahlung
Bei der Istbesteuerung entsteht die Steuerschuld grundsätzlich mit Ablauf jenes Monats, in dem das Entgelt vereinnahmt wurde.
Dieses System kommt insbesondere für bestimmte nicht buchführungspflichtige Unternehmer, freiberufliche Tätigkeiten und weitere gesetzlich genannte Gruppen infrage.
Für manche andere Tätigkeiten bestehen zusätzliche Umsatzgrenzen und besondere Voraussetzungen. Deshalb darf nicht aus der Eigenschaft als Einzelunternehmer allein auf eine bestimmte Besteuerungsart geschlossen werden.
Die gesetzlichen Einzelheiten ergeben sich insbesondere aus §§ 17 und 19 UStG sowie der USP-Information zur Entstehung der Steuerschuld.
Rechnungen richtig ausstellen: Welche Umsatzsteuerangaben sind notwendig?
Wenn ein Unternehmer steuerpflichtige Leistungen in Rechnung stellt, müssen die jeweils geltenden Rechnungsmerkmale des § 11 UStG erfüllt werden.
Zu den typischen Angaben einer gewöhnlichen vollständigen Rechnung gehören:
- Name und Anschrift des leistenden Unternehmens,
- Name und Anschrift des Leistungsempfängers,
- Art und Umfang der Lieferung oder Leistung,
- Liefer- beziehungsweise Leistungsdatum oder Leistungszeitraum,
- Ausstellungsdatum und fortlaufende Rechnungsnummer,
- Entgelt und anzuwendender Steuersatz,
- Umsatzsteuerbetrag, soweit Umsatzsteuer gesondert auszuweisen ist,
- die nach den gesetzlichen Vorschriften erforderliche Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (UID).
Bei Rechnungen bis zu einem Gesamtbetrag von 400 Euro einschließlich Umsatzsteuer gibt es unter den gesetzlichen Voraussetzungen vereinfachte Rechnungsmerkmale. Die Erleichterung gilt nicht ausnahmslos, insbesondere nicht für alle grenzüberschreitenden Konstellationen.
Was muss auf einer Kleinunternehmer-Rechnung stehen?
Ein Unternehmer, der die Kleinunternehmerbefreiung anwendet, darf für die davon erfassten Umsätze grundsätzlich keine Umsatzsteuer gesondert ausweisen.
Ein sachgerechter Hinweis auf die angewendete Steuerbefreiung kann beispielsweise lauten:
Umsatzsteuerfrei aufgrund der Kleinunternehmerregelung gemäß § 6 Abs. 1 Z 27 UStG 1994.
Wer trotz bestehender Kleinunternehmerbefreiung unberechtigt Umsatzsteuer gesondert auf einer Rechnung ausweist, kann diesen Steuerbetrag gemäß den gesetzlichen Regeln schulden, solange die Rechnung nicht ordnungsgemäß berichtigt wurde.
Eine UID-Nummer allein bedeutet außerdem nicht, dass ein Unternehmer für alle Umsätze zur Regelbesteuerung optiert hat.
Weitere Informationen zur Beantragung und Prüfung bietet unser Beitrag zur UID-Nummer in Österreich.
Umsatzsteuer bei Auslandsgeschäften und Reverse Charge
Bei grenzüberschreitenden Warenlieferungen und Dienstleistungen reicht es nicht aus, einfach den österreichischen Umsatzsteuersatz auf jede Rechnung anzuwenden.
Entscheidend sind unter anderem:
- der umsatzsteuerliche Leistungsort,
- ob der Kunde Unternehmer oder Privatperson ist,
- ob Waren oder Dienstleistungen geliefert werden,
- ob eine Steuerbefreiung anwendbar ist,
- wer die Umsatzsteuer schuldet,
- welche Nachweise und Meldungen erforderlich sind.
Reverse Charge: Wann schuldet der Leistungsempfänger die Steuer?
Bei bestimmten Leistungen geht die Umsatzsteuerschuld auf den Leistungsempfänger über. Das wird als Reverse-Charge-Verfahren bezeichnet.
Ein typisches Beispiel ist eine unter die allgemeine B2B-Leistungsortregel fallende Beratungsleistung eines deutschen Unternehmers an ein österreichisches Unternehmen.
Bei erfüllten Voraussetzungen stellt der deutsche Unternehmer seine Rechnung ohne deutsche Umsatzsteuer aus. Die österreichische Umsatzsteuer wird vom österreichischen Leistungsempfänger nach den Reverse-Charge-Regeln berechnet.
Besteht ein vollständiger Vorsteuerabzug, kann die entsprechende Steuer unter den gesetzlichen Voraussetzungen im selben Verfahren als Vorsteuer berücksichtigt werden.
Bei einem österreichischen Kleinunternehmer ohne Vorsteuerabzugsberechtigung kann dagegen eine tatsächliche Umsatzsteuerbelastung entstehen. Die Kleinunternehmerbefreiung schützt daher nicht automatisch vor jeder Umsatzsteuerschuld aus dem Ausland.
Auch bestimmte inländische Leistungen, beispielsweise im Baubereich, unterliegen besonderen Reverse-Charge-Regeln.
Die einzelnen Rechnungs- und Meldepflichten behandelt unser Beitrag über das Reverse-Charge-Verfahren in Österreich.
Innergemeinschaftliche Lieferungen und Dienstleistungen
Bei Warenlieferungen an Unternehmen in anderen EU-Mitgliedstaaten kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen eine Steuerbefreiung für innergemeinschaftliche Lieferungen bestehen.
Dafür sind insbesondere die gültige UID des Abnehmers, entsprechende Warenbewegungsnachweise und die erforderlichen Meldungen zu beachten.
Für bestimmte grenzüberschreitende Umsätze muss zusätzlich eine Zusammenfassende Meldung (ZM) abgegeben werden.
Seit 2025 können bestimmte kleinere EU-Unternehmen außerdem grenzüberschreitende Kleinunternehmerbefreiungen nutzen. Dabei ist neben den nationalen Schwellenwerten grundsätzlich eine unionsweite Jahresumsatzgrenze von 100.000 Euro relevant. Die erforderlichen Registrierungen und Meldungen unterscheiden sich je nach Ansässigkeitsstaat.
Diese grenzüberschreitende Kleinunternehmerregelung darf nicht mit der gewöhnlichen österreichischen Umsatzgrenze von 55.000 Euro gleichgesetzt werden.
Checkliste: Welche Umsatzsteuerpflichten sollte ein Unternehmen 2026 prüfen?
Für die praktische Anwendung empfiehlt sich eine feste Reihenfolge:
- Umsatzart bestimmen: Handelt es sich um eine steuerbare Lieferung, eine sonstige Leistung oder einen anderen Umsatzsteuertatbestand?
- Leistungsort prüfen: Liegt der umsatzsteuerliche Leistungsort in Österreich oder im Ausland?
- Steuerbefreiung prüfen: Besteht beispielsweise eine Kleinunternehmerbefreiung oder eine andere echte beziehungsweise unechte Befreiung?
- Steuersatz festlegen: Ist der Normalsteuersatz oder ein ermäßigter Steuersatz anzuwenden? Bei ausgewählten Lebensmitteln seit Juli 2026 insbesondere die 4,9-Prozent-Regel prüfen.
- Rechnung korrekt ausstellen: Erforderliche Angaben und allfällige Steuerbefreiungs- oder Reverse-Charge-Hinweise berücksichtigen.
- Vorsteuer prüfen: Nur jene Vorsteuerbeträge abziehen, für die die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen.
- UVA-Zeitraum bestimmen: Vorjahresumsatz, bestehende Ausnahmen und allfällige Meldepflichten prüfen.
- Fristen einhalten: Umsatzsteuer fristgerecht melden und abführen; gegebenenfalls Jahreserklärung und Zusammenfassende Meldungen einreichen.
Für die Preisgestaltung gegenüber Privatkunden ist zusätzlich wichtig, ob Bruttopreise vereinbart wurden. Ein nachträglicher Wechsel von der Kleinunternehmerbefreiung zur Regelbesteuerung bedeutet nicht automatisch, dass bereits vereinbarte Preise ohne Weiteres erhöht werden können.
Häufige Fragen zur Umsatzsteuer 2026
Wie hoch ist die Umsatzsteuer in Österreich 2026?
Der allgemeine Umsatzsteuersatz beträgt 20 Prozent. Zusätzlich bestehen ermäßigte Steuersätze von 13 und 10 Prozent sowie seit dem 1. Juli 2026 von 4,9 Prozent für bestimmte Nahrungsmittel. Ob ein ermäßigter Satz angewendet werden darf, hängt von der konkreten Lieferung oder Leistung ab.
Wie hoch ist die Kleinunternehmergrenze 2026?
Die maßgebliche österreichische Umsatzgrenze beträgt seit 2025 grundsätzlich 55.000 Euro jährlich. Unter bestimmten Voraussetzungen gibt es im laufenden Jahr eine 10-Prozent-Toleranz bis 60.500 Euro. Eine Überschreitung der eigentlichen Grenze kann aber bereits den Ausschluss von der Befreiung für das Folgejahr bewirken.
Muss ich als Kleinunternehmer Umsatzsteuer zahlen?
Für Umsätze, auf die die Kleinunternehmerbefreiung tatsächlich anwendbar ist, fällt grundsätzlich keine vom Unternehmer abzuführende Umsatzsteuer an. Bei besonderen Sachverhalten wie Reverse Charge, innergemeinschaftlichen Erwerben oder unrichtiger Rechnungslegung kann trotzdem eine Umsatzsteuerschuld entstehen.
Ab welchem Umsatz muss ich monatlich eine UVA abgeben?
Bei einem maßgeblichen Vorjahresumsatz von mehr als 100.000 Euro ist grundsätzlich monatlich eine Umsatzsteuervoranmeldung abzugeben. Bei mehr als 55.000 Euro bis einschließlich 100.000 Euro gilt grundsätzlich die vierteljährliche UVA. Unterhalb dieser Grenze bestehen besondere Ausnahmen und mögliche zusätzliche Abgabepflichten.
Wie hoch ist die Umsatzsteuer bei 1.200 Euro brutto?
Wenn in den 1.200 Euro ein österreichischer Umsatzsteuersatz von 20 Prozent enthalten ist, beträgt das Nettoentgelt 1.000 Euro und die Umsatzsteuer 200 Euro. Bei einem anderen Steuersatz ergibt sich ein anderer Steuerbetrag.
Kann ich Umsatzsteuer und Einkommensteuer miteinander verrechnen?
Umsatzsteuer und Einkommensteuer sind unterschiedliche Abgaben. Die Umsatzsteuer betrifft insbesondere steuerbare Umsätze und den möglichen Vorsteuerabzug; die Einkommensteuer wird nach den Regeln für steuerpflichtige Einkünfte natürlicher Personen ermittelt. Auf dem Abgabenkonto können sich zwar gesetzliche Verrechnungsmöglichkeiten ergeben, die Steuerarten dürfen aber bei der Berechnung nicht gleichgesetzt werden.
Wann muss ich die Umsatzsteuererklärung für 2026 abgeben?
Bei bestehender Erklärungspflicht ist die Umsatzsteuerjahreserklärung für 2026 grundsätzlich bis 30. April 2027 auf Papier beziehungsweise bis 30. Juni 2027 elektronisch über FinanzOnline einzureichen. Gesetzliche Sonderfälle und Fristverlängerungen sind zu beachten.
Offizielle Quellen und Rechtsgrundlagen
- RIS: Umsatzsteuergesetz 1994 – insbesondere §§ 1, 2, 6, 10, 11, 12, 17, 19 und 21
- USP/BMF: Aktuelle Umsatzsteuersätze und Steuerbefreiungen
- USP: Gesetzesänderung – 4,9 Prozent für ausgewählte Lebensmittel seit 1. Juli 2026
- USP/BMF: Kleinunternehmerregelung seit 2025
- USP/BMF: Umsatzsteuervoranmeldung, Jahreserklärung und Fristen
- USP/BMF: Rechnungsmerkmale und Umsatzsteuer auf Rechnungen
Weiterführende Informationsquellen aus dem bisherigen Artikel:
- https://www.oesterreich.gv.at/lexicon/U/Seite.991497.html
- https://www.usp.gv.at/steuern-finanzen/umsatzsteuer.html
- https://www.wko.at/service/steuern/umsatzsteuer-basisinfo-betriebe.html
- https://www.wko.at/service/steuern/umsatzsteuer-auslandsgeschaeften.html
Fachlicher Informationsstand: 16. Oktober 2026. Die genannten Grenzwerte und Steuersätze beziehen sich auf die geltende österreichische Umsatzsteuerrechtslage 2026. Für besondere Waren, grenzüberschreitende Leistungen, Steuerbefreiungen und spezifische Unternehmensformen können zusätzliche Vorschriften gelten. Maßgeblich sind die gesetzlichen Voraussetzungen des konkreten Umsatzes und des jeweiligen Veranlagungszeitraums.