Wie hoch ist die Kapitalertragsteuer (KESt) in Österreich 2026? Für Zinsen aus gewöhnlichen Sparbüchern, Tagesgeld- und Festgeldkonten beträgt sie 25 Prozent. Auf Dividenden, steuerpflichtige Gewinne aus Aktienverkäufen, viele ETF-Erträge und bestimmte Kryptowährungsgewinne werden grundsätzlich 27,5 Prozent fällig. Bei einer österreichischen Bank oder einem entsprechend verpflichteten inländischen Anbieter wird die Steuer in vielen Fällen automatisch einbehalten.
Anders ist die Situation bei ausländischen Banken und Brokern: Erfolgt kein österreichischer Kapitalertragsteuerabzug, müssen die steuerpflichtigen Einkünfte regelmäßig selbst in der Einkommensteuererklärung angegeben werden. Auch eine freiwillige Veranlagung kann sinnvoll sein, beispielsweise für einen bankenübergreifenden Verlustausgleich oder zur Prüfung einer günstigeren Besteuerung bei niedrigem Einkommen.
Kapitalertragsteuer 2026 auf einen Blick: 25 Prozent für gewöhnliche Bankeinlagenzinsen, grundsätzlich 27,5 Prozent für Aktien, ETFs, Dividenden und die meisten anderen privaten Kapitaleinkünfte. Einen allgemeinen steuerfreien Sparerpauschbetrag wie in Deutschland gibt es in Österreich nicht. Wer einen ausländischen Broker ohne österreichischen KESt-Abzug verwendet, muss seine Erklärungspflichten selbst prüfen.
Dieser Ratgeber erläutert die Besteuerung privater Kapitalanlagen für Personen, die in Österreich unbeschränkt steuerpflichtig sind. Für Betriebsvermögen, Kapitalgesellschaften, bestimmte Altbestände und besondere Finanzinstrumente können abweichende Vorschriften gelten.
Kapitalertragsteuer 2026: Welche Steuersätze gelten?
Die wichtigsten österreichischen KESt-Sätze sind in § 27a Einkommensteuergesetz (EStG) geregelt. Ob 25 oder 27,5 Prozent anfallen, hängt grundsätzlich von der Art der Kapitalerträge ab.
| Kapitalertrag | Steuersatz 2026 |
|---|---|
| Zinsen aus gewöhnlichen Sparbüchern | 25 % |
| Zinsen aus Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonten | 25 % |
| Zinsen aus gewöhnlichen Anleihen | 27,5 % |
| Dividenden aus Aktien | 27,5 % |
| Gewinnausschüttungen aus GmbH-Anteilen an Privatpersonen | 27,5 % |
| Steuerpflichtige Aktienveräußerungsgewinne | 27,5 % |
| Steuerpflichtige ETF- und Investmentfondserträge | 27,5 % |
| Steuerpflichtige realisierte Wertsteigerungen von Kryptowährungen im neuen Besteuerungsregime | 27,5 % |
Die Angaben betreffen die gewöhnlichen Fälle. Nicht jede Zahlung, die wirtschaftlich wie ein Kapitalertrag aussieht, unterliegt automatisch einem dieser besonderen Steuersätze. Für bestimmte Privatdarlehen, echte stille Beteiligungen und besondere Derivate kann der allgemeine progressive Einkommensteuertarif gelten.
Wichtig ist auch die Abgrenzung zur Immobilienertragsteuer: Gewinne aus privaten Grundstücksverkäufen unterliegen grundsätzlich anderen steuerlichen Regeln. Der besondere Steuersatz der Immobilienertragsteuer beträgt grundsätzlich 30 Prozent und ist nicht mit der gewöhnlichen Kapitalertragsteuer auf Aktiengewinne gleichzusetzen.
Was ist die Kapitalertragsteuer und wann wird sie abgezogen?
Die Kapitalertragsteuer ist eine besondere Form der Erhebung von Einkommensteuer beziehungsweise in den gesetzlich vorgesehenen Fällen von Körperschaftsteuer.
Bei typischen privaten Kapitalanlagen wird die Steuer bereits an der Quelle einbehalten. Das bedeutet, dass die zuständige Bank, depotführende oder auszahlende Stelle die Steuer berechnet, vom Ertrag abzieht und an das Finanzamt abführt.
Für die betroffene Privatperson ist das vor allem deshalb praktisch, weil bei ordnungsgemäß einbehaltener KESt regelmäßig keine zusätzliche Einkommensteuererklärung allein wegen dieser Kapitalerträge notwendig ist.
Man spricht in diesem Zusammenhang von Endbesteuerung.
Beispiel: KESt auf Sparzinsen berechnen
Sie haben ein Tagesgeldkonto bei einer österreichischen Bank und erhalten für das Kalenderjahr 2026 insgesamt 500 Euro steuerpflichtige Zinserträge.
| Berechnung | Betrag |
|---|---|
| Zinsen brutto | 500,00 € |
| KESt mit 25 % | -125,00 € |
| Zinsen netto | 375,00 € |
Unter den üblichen Voraussetzungen zieht die österreichische Bank die 125 Euro KESt direkt ab. Die verbleibenden 375 Euro werden dem Kunden gutgeschrieben.
Die Einlage selbst wird durch diese Steuer nicht besteuert. Die KESt betrifft die steuerpflichtigen Zinsen.
Beispiel: KESt auf eine Dividende
Eine österreichische Privatperson erhält 500 Euro steuerpflichtige Bruttodividende aus einer Aktiengesellschaft. Für das Beispiel wird angenommen, dass kein zusätzlicher ausländischer Quellensteuerabzug berücksichtigt werden muss.
- Bruttodividende: 500 Euro
- Kapitalertragsteuer mit 27,5 Prozent: 137,50 Euro
- Auszahlung nach KESt: 362,50 Euro
Bei ausländischen Dividenden kann das tatsächliche Auszahlungs- und Steuerergebnis von diesem Beispiel abweichen. Dort kann zusätzlich eine Quellensteuer im Staat der ausschüttenden Gesellschaft anfallen.
Wie werden Aktien, ETFs und Anleihen in Österreich besteuert?
Bei Wertpapieren muss zwischen laufenden Erträgen und steuerpflichtigen Veräußerungsgewinnen unterschieden werden.
Bei Aktien sind das beispielsweise Dividenden einerseits und Gewinne aus einem späteren Verkauf andererseits. Bei ETFs können zusätzlich ausschüttungsgleiche Erträge anfallen.
Aktien verkaufen: Wann entsteht Kapitalertragsteuer?
Bei gewöhnlichen privaten Aktien des steuerlich erfassten Neubestands werden realisierte Veräußerungsgewinne grundsätzlich mit 27,5 Prozent besteuert.
Ein bloßer Wertanstieg im Depot löst bei einer direkt gehaltenen Aktie normalerweise noch keine Besteuerung des Kursgewinns aus.
Ein vereinfachtes Beispiel:
- Steuerliche Anschaffungskosten der Aktien: 8.000 Euro
- Späterer Verkaufserlös: 10.500 Euro
- Steuerpflichtiger Veräußerungsgewinn: 2.500 Euro
- Kapitalertragsteuer mit 27,5 Prozent: 687,50 Euro
Die Berechnung setzt voraus, dass der Veräußerungsvorgang der gewöhnlichen Besteuerung realisierter Wertsteigerungen unterliegt und keine Besonderheiten bei Anschaffungskosten oder Verlustverrechnung bestehen.
Bei privaten Wertpapieren dürfen bestimmte Anschaffungsnebenkosten, Transaktionskosten und Depotgebühren im Anwendungsbereich des besonderen Steuersatzes grundsätzlich nicht steuermindernd abgezogen werden. Der im Broker angezeigte wirtschaftliche Handelsgewinn kann daher vom steuerlich maßgeblichen Veräußerungsgewinn abweichen.
ETFs: Auch ohne Auszahlung kann Steuer entstehen
Bei Exchange Traded Funds (ETFs) und anderen Investmentfonds ist die Besteuerung komplexer als bei einer direkt gehaltenen Aktie.
Steuerpflichtig können insbesondere tatsächliche Ausschüttungen, ausschüttungsgleiche Erträge und Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen sein.
Gerade bei thesaurierenden ETFs, die Erträge innerhalb des Fonds wiederveranlagen, können ausschüttungsgleiche Erträge zu einer Steuerbelastung führen, obwohl kein entsprechender Geldbetrag auf das Verrechnungskonto ausgezahlt wurde.
Bei einer österreichischen depotführenden Stelle erfolgt die Besteuerung grundsätzlich anhand der für das Produkt maßgeblichen steuerlichen Fondsdaten.
Bereits steuerlich erfasste ausschüttungsgleiche Erträge können außerdem zu einer Anpassung der steuerlichen Anschaffungskosten führen. So soll verhindert werden, dass bereits besteuerte Erträge beim späteren Verkauf nochmals besteuert werden.
ETF-Praxis: Der ursprüngliche Kaufbetrag eines ETFs muss nicht mit seinen später maßgeblichen steuerlichen Anschaffungskosten übereinstimmen. Für einen korrekten Veräußerungsgewinn sind die fondsbezogenen steuerlichen Anpassungen zu berücksichtigen. Eine einfache Rechnung aus Verkaufspreis minus ursprünglichem Kaufpreis kann deshalb falsch sein.
Anleihen: Warum nicht alle Zinsen mit 25 Prozent besteuert werden
Für Zinsen aus gewöhnlichen Forderungswertpapieren wie Anleihen beträgt der besondere Steuersatz grundsätzlich 27,5 Prozent.
Der Satz von 25 Prozent gilt insbesondere für Zinsen aus Geldeinlagen und bestimmten nicht verbrieften Forderungen bei Kreditinstituten.
Dass sowohl ein Sparbuch als auch eine Anleihe Zinserträge liefern, bedeutet daher nicht, dass sie steuerlich identisch behandelt werden.
Vor einer Anlageentscheidung sollte deshalb nicht nur die beworbene Bruttorendite, sondern auch die jeweils zutreffende Besteuerung beachtet werden.
Steuereinfacher Broker oder Auslandsbroker: Wer führt die KESt ab?
Für Anlegerinnen und Anleger ist eine der wichtigsten praktischen Fragen, ob ein Anbieter den österreichischen Kapitalertragsteuerabzug selbst durchführt.
Österreichischer Broker mit KESt-Abzug
Bei einem steuereinfachen Broker in Österreich übernimmt die zuständige inländische depotführende oder auszahlende Stelle grundsätzlich die Berechnung und Abführung der österreichischen KESt für die davon erfassten steuerpflichtigen Kapitalerträge.
Auch der gesetzlich vorgesehene automatische Verlustausgleich kann innerhalb der zulässigen Konten- und Depotkonstellationen erfolgen.
Das erleichtert die laufende steuerliche Abwicklung erheblich. Es bedeutet allerdings nicht, dass jeder denkbare steuerliche Sonderfall oder jeder bankenübergreifende Verlustausgleich bereits automatisch berücksichtigt wird.
Bei der Auswahl eines Brokers sind deshalb die tatsächlich angebotenen steuerlichen Dienstleistungen und deren Umfang zu prüfen. Anbieter- und Produktinformationen können sich ändern.
Ausländischer Broker ohne österreichischen KESt-Abzug
Ein ausländischer Broker führt nicht automatisch österreichische KESt ab, nur weil sein Kunde in Österreich wohnt.
Erhalten in Österreich unbeschränkt steuerpflichtige Personen Kapitalerträge über eine ausländische Stelle ohne österreichischen Steuerabzug, sind die steuerpflichtigen Einkünfte grundsätzlich in der Einkommensteuerveranlagung zu erfassen.
Das betrifft beispielsweise:
- steuerpflichtige Aktienveräußerungsgewinne auf einem Auslandsdepot
- Dividenden, die ohne österreichischen KESt-Abzug zufließen
- steuerpflichtige Erträge aus ausländisch verwahrten Fonds
- Zinsen eines ausländischen Sparkontos, sofern kein österreichischer Steuerabzug erfolgt
Der Umstand, dass keine österreichische KESt abgezogen wurde, macht den Ertrag nicht steuerfrei.
Auch muss nicht zwingend der allgemeine progressive Einkommensteuertarif angewendet werden. Viele ausländische Kapitaleinkünfte unterliegen in der Veranlagung weiterhin dem besonderen Steuersatz von 25 beziehungsweise 27,5 Prozent.
Welche Daten brauchen Anleger bei einem Auslandsdepot?
Für die steuerliche Erklärung müssen die maßgeblichen Einkünfte nachvollziehbar ermittelt werden können.
Bei einem Wertpapierdepot sind insbesondere Anschaffungsdaten, steuerliche Anschaffungskosten, Verkäufe, Dividenden, Fondserträge und etwaige ausländische Quellensteuern wichtig.
Bei ETFs kann zusätzlich die korrekte Verarbeitung der österreichischen Fondsmeldungen erforderlich sein.
Ein ausländischer Jahresdepotauszug ist daher nicht automatisch eine fertige österreichische Steuerberechnung. Gegebenenfalls müssen die ausgewiesenen Werte nach österreichischen steuerlichen Vorschriften angepasst werden.
Ausländische Dividenden: Wie funktioniert die Quellensteuer?
Bei einer Dividende aus einer ausländischen Aktiengesellschaft können zwei Staaten steuerlich beteiligt sein: der Quellenstaat der ausschüttenden Gesellschaft und Österreich als Ansässigkeitsstaat des Anlegers.
Die ausländische Quellensteuer kann unter den jeweils anwendbaren gesetzlichen und abkommensrechtlichen Voraussetzungen auf die österreichische Steuer angerechnet werden.
Bei in Österreich ausgezahlten ausländischen Dividenden kann die zum KESt-Abzug verpflichtete Stelle tatsächlich entrichtete ausländische Quellensteuer grundsätzlich bis zu einer Höhe von 15 Prozent des Kapitalertrags anrechnen.
Beispiel: 1.000 Euro Bruttodividende mit ausländischer Quellensteuer
Angenommen, eine österreichische Privatperson erhält eine ausländische Bruttodividende von 1.000 Euro. Im Ausland werden 15 Prozent Quellensteuer einbehalten. Die ausländische Steuer ist im Beispiel vollständig auf die österreichische KESt anrechenbar.
| Berechnung | Betrag |
|---|---|
| Bruttodividende | 1.000,00 € |
| Ausländische Quellensteuer (15 %) | 150,00 € |
| Österreichische Steuer vor Anrechnung (27,5 %) | 275,00 € |
| Anrechenbare ausländische Quellensteuer | -150,00 € |
| Verbleibende österreichische KESt | 125,00 € |
| Gesamte Steuerbelastung im Beispiel | 275,00 € |
| Dividende nach beiden Steuern | 725,00 € |
Dieses Beispiel setzt einen tatsächlich anrechenbaren ausländischen Quellensteuerbetrag voraus. Es darf nicht ungeprüft auf alle Staaten und sämtliche Dividenden übertragen werden.
Wird im Ausland mehr Quellensteuer einbehalten, als nach dem anwendbaren Doppelbesteuerungsabkommen beziehungsweise den österreichischen Anrechnungsregeln berücksichtigt werden kann, kann ein gesondertes Rückerstattungsverfahren im Quellenstaat notwendig sein.
Die Voraussetzungen und die erforderlichen Unterlagen richten sich nach dem jeweiligen Staat und dem anwendbaren Abkommen.
Kryptowährungen: Welche Kapitalertragsteuer gilt 2026?
Seit 1. März 2022 werden bestimmte Einkünfte aus Kryptowährungen in Österreich ausdrücklich den Einkünften aus Kapitalvermögen zugeordnet. Das neue Besteuerungsregime gilt grundsätzlich für Kryptowährungen, die nach dem 28. Februar 2021 angeschafft wurden.
Bei steuerpflichtigen realisierten Wertsteigerungen des entsprechenden Neuvermögens beträgt der besondere Steuersatz grundsätzlich 27,5 Prozent.
Der Verkauf von Bitcoin oder Ether gegen Euro kann daher beispielsweise eine Steuerpflicht auslösen.
Der bloße Tausch einer erfassten Kryptowährung gegen eine andere erfasste Kryptowährung stellt dagegen nach § 27b EStG grundsätzlich keinen steuerlichen Veräußerungsvorgang dar. Die steuerlichen Anschaffungskosten werden dabei nach den gesetzlichen Regeln weitergeführt.
Wann wird bei Kryptowährungen automatisch KESt abgezogen?
Für entsprechende Kryptowährungseinkünfte, die nach dem 31. Dezember 2023 anfallen, besteht bei inländischen Schuldnern und verpflichteten inländischen Kryptodienstleistern grundsätzlich eine KESt-Abzugspflicht.
Bei ausländischen Kryptoanbietern ohne österreichischen Steuerabzug müssen österreichische Steuerpflichtige ihre Erklärungspflichten selbst prüfen.
Wichtig: Nicht sämtliche kryptobezogenen Vorgänge werden gleich behandelt. Für Altvermögen, bestimmte private Kryptodarlehen, betriebliche Tätigkeiten und einzelne Formen der Ertragserzielung können besondere Regeln gelten.
Auch die Steuerpflicht von NFTs und Asset-Token kann sich nach anderen Vorschriften richten, weil solche Vermögenswerte nicht automatisch unter den Kryptowährungsbegriff des § 27b EStG fallen.
Verluste mit Gewinnen verrechnen: Wann bekomme ich KESt zurück?
Wer steuerlich anerkannte Verluste aus Aktien, ETFs oder anderen erfassten privaten Kapitalanlagen realisiert, kann diese unter den Voraussetzungen des § 27 Abs. 8 EStG mit bestimmten positiven Kapitaleinkünften desselben Kalenderjahres ausgleichen.
Ein automatischer Verlustausgleich erfolgt bei inländischen depotführenden Stellen in den gesetzlich vorgesehenen Fällen innerhalb der entsprechend erfassten Depots und Einkünfte.
Ein Verlustausgleich zwischen verschiedenen Banken oder mit bestimmten ausländischen Einkünften kann dagegen eine Einkommensteuerveranlagung erfordern.
Beispiel: Aktiengewinn und Aktienverlust im selben Jahr
Eine österreichische Privatperson erzielt 2026 einen steuerpflichtigen Aktienveräußerungsgewinn von 2.000 Euro. Im selben Kalenderjahr realisiert sie einen steuerlich anerkannten Aktienverlust von 800 Euro.
Unter den getroffenen Voraussetzungen kann der Verlust mit dem Gewinn verrechnet werden.
- Steuerpflichtiger Aktiengewinn: 2.000 Euro
- Verrechenbarer Aktienverlust: 800 Euro
- Verbleibender steuerpflichtiger Gewinn: 1.200 Euro
- KESt nach Verlustausgleich mit 27,5 Prozent: 330 Euro
Ohne Verlustausgleich wären auf 2.000 Euro Gewinn rechnerisch 550 Euro KESt angefallen. Der mögliche steuerliche Vorteil beträgt im dargestellten Fall 220 Euro.
Das ist jedoch keine Erstattung des gesamten Aktienverlusts von 800 Euro.
Welche Grenzen hat der Verlustausgleich?
Private Kapitalverluste dürfen nicht beliebig mit anderen Einkunftsarten verrechnet werden.
Insbesondere ist eine Verrechnung gewöhnlicher Aktienverluste mit Arbeitslohn, Pensionen oder Einkünften aus Vermietung grundsätzlich ausgeschlossen.
Auch die Verrechnung mit gewöhnlichen Zinsen aus Bankeinlagen ist gesetzlich ausgeschlossen.
Nicht ausgeglichene private Kapitalverluste können grundsätzlich nicht in das folgende Kalenderjahr vorgetragen werden. Für bestimmte stille Beteiligungen und betriebliche Sachverhalte gelten Sondervorschriften.
Bei Kryptowährungen ist darüber hinaus zu beachten, dass ein automatischer Verlustausgleich mit gewöhnlichen Wertpapiererträgen nicht vorgesehen ist. Ein entsprechender Ausgleich kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung erfolgen.
Kapitalertragsteuer zurückholen: Wann lohnt sich die Regelbesteuerungsoption?
Auch wenn Kapitalerträge grundsätzlich mit 25 oder 27,5 Prozent besteuert werden, kann in bestimmten Fällen die Anwendung des allgemeinen progressiven Einkommensteuertarifs günstiger sein.
Dafür sieht § 27a Abs. 5 EStG die sogenannte Regelbesteuerungsoption vor.
Sie kann beispielsweise bei Personen mit geringem Gesamteinkommen relevant sein. Die zu viel einbehaltene Kapitalertragsteuer kann im Rahmen der Veranlagung unter den gesetzlichen Voraussetzungen angerechnet beziehungsweise erstattet werden.
Ein pauschaler Anspruch auf KESt-Rückerstattung für alle Personen unter einer bestimmten alten Einkommensgrenze besteht jedoch nicht. Ob eine Regelbesteuerung tatsächlich günstiger ist, hängt von der individuellen Steuerberechnung und den anzuwendenden Vorschriften ab.
Was ist bei der Regelbesteuerungsoption zu beachten?
Die Regelbesteuerungsoption ist grundsätzlich für sämtliche entsprechend erfassten Einkünfte aus Kapitalvermögen auszuüben. Eine beliebige isolierte Auswahl nur jener Kapitalerträge, bei denen sich der persönliche Tarif besonders günstig auswirkt, ist nicht vorgesehen.
Außerdem können steuerliche Absetzbeträge und die übrigen Einkünfte das Ergebnis beeinflussen.
Wenn für Kapitalerträge der besondere Steuersatz gilt, bleibt die Steuer grundsätzlich vom übrigen progressiv besteuerten Einkommen getrennt. Bei der Regelbesteuerungsoption ist dagegen die tarifliche Gesamtwirkung zu betrachten.
Der Umstand, dass jemand ein geringes Bruttoarbeitsentgelt bezieht, genügt deshalb allein noch nicht für eine seriöse Aussage über die Höhe einer möglichen KESt-Erstattung.
Regelbesteuerungsoption oder Verlustausgleichsoption?
Die beiden Möglichkeiten verfolgen unterschiedliche Ziele:
| Option | Zweck |
|---|---|
| Regelbesteuerungsoption | Anwendung des allgemeinen Einkommensteuertarifs auf die erfassten Kapitaleinkünfte, wenn dies günstiger ist |
| Verlustausgleichsoption | Verrechnung gesetzlich ausgleichsfähiger Kapitalverluste, die nicht bereits automatisch berücksichtigt wurden |
Bei der Verlustausgleichsoption nach § 97 Abs. 2 EStG muss nicht automatisch die gesamte Kapitalbesteuerung auf den progressiven Tarif umgestellt werden.
Vor einer Antragstellung ist daher zu unterscheiden, ob eine günstigere tarifliche Besteuerung oder lediglich ein noch fehlender Verlustausgleich erreicht werden soll.
Kapitalertragsteuer in FinanzOnline erklären: Was ist zu tun?
Wurden steuerpflichtige Kapitalerträge nicht bereits ordnungsgemäß durch österreichischen KESt-Abzug endbesteuert, kann eine Einkommensteuererklärung notwendig sein.
Bei privaten Kapitaleinkünften ist insbesondere die Einkommensteuererklärung E 1 samt Beilage E 1kv relevant.
Schritt für Schritt vorgehen
- Steuerjahr feststellen: Ordnen Sie die tatsächlichen steuerpflichtigen Einkünfte dem betreffenden Kalenderjahr zu.
- Kapitalerträge erfassen: Prüfen Sie Zinsen, Dividenden, Wertpapierveräußerungen, Fondserträge und gegebenenfalls Kryptowährungseinkünfte.
- Inländischen Steuerabzug kontrollieren: Ermitteln Sie, welche Einkünfte bereits ordnungsgemäß durch österreichischen KESt-Abzug endbesteuert wurden.
- Ausländische Einkünfte aufbereiten: Berücksichtigen Sie die steuerlich maßgeblichen Werte nach österreichischen Regeln und dokumentieren Sie gegebenenfalls ausländische Quellensteuer.
- Verlustausgleich prüfen: Ermitteln Sie, welche Verluste schon automatisch verrechnet wurden und ob ein weiterer gesetzlich zulässiger Ausgleich möglich ist.
- Erklärung einreichen: Verwenden Sie über FinanzOnline die für den Sachverhalt zutreffende Einkommensteuererklärung und die notwendigen Beilagen.
- Bescheid kontrollieren: Prüfen Sie die festgesetzte Steuer, die Anrechnung bereits einbehaltener KESt und allfällige Quellensteuerbeträge.
Bei komplizierten ausländischen Fondsdepots, umfangreichen Kryptowährungstransaktionen oder mehreren Einkunftsarten kann eine fachkundige Unterstützung sinnvoll sein.
Steuerreporting seit 2025: Welche Unterlagen liefert die Bank?
Für Einkünfte ab dem Kalenderjahr 2025 müssen die betreffenden KESt-Abzugsverpflichteten auf Verlangen des Steuerpflichtigen ein Steuerreporting nach der Steuerreportingverordnung bereitstellen.
Das Steuerreporting kann insbesondere Angaben zu steuerpflichtigen Kapitalerträgen, realisierten Verlusten, abgeführter KESt, bereits erfolgten Verlustverrechnungen und anrechenbarer ausländischer Quellensteuer enthalten.
Nach den amtlichen Vorgaben ist das Reporting spätestens bis zum 31. März des Folgejahres zur Verfügung zu stellen.
Für Einkünfte des Steuerjahres 2026 ist somit grundsätzlich der 31. März 2027 der entsprechende Termin. Auch für frühere Kalenderjahre kann ein Reporting auf Verlangen ausgestellt werden, allerdings grundsätzlich frühestens ab dem Jahr 2025.
Prüffalle: Einzelne Beträge aus dem Steuerreporting dürfen bei einer Einkommensteuererklärung nicht ungeprüft übernommen werden. Insbesondere bereits verrechnete Verluste und angerechnete ausländische Quellensteuern müssen richtig zugeordnet werden. Sonst kann es zu einer unzulässigen doppelten steuerlichen Berücksichtigung kommen.
Die Finanzverwaltung erläutert Aufbau und Verwendung des Reportings ausführlich unter Steuerreporting für Einkünfte aus Kapitalvermögen.
Häufige Fragen zur Kapitalertragsteuer in Österreich
Wie hoch ist die KESt in Österreich 2026?
Der Steuersatz beträgt grundsätzlich 25 Prozent für Zinsen aus gewöhnlichen Geldeinlagen bei Kreditinstituten. Für die meisten anderen privaten Kapitaleinkünfte, etwa Dividenden sowie steuerpflichtige Gewinne aus Aktien- und ETF-Verkäufen, beträgt der besondere Steuersatz 27,5 Prozent.
Gibt es in Österreich einen Freibetrag für Kapitalerträge?
Einen allgemeinen Sparerpauschbetrag wie in Deutschland gibt es in Österreich nicht. Bereits geringe steuerpflichtige Kapitalerträge können daher dem vorgesehenen Steuersatz unterliegen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Regelbesteuerungsoption dennoch zu einer günstigeren Gesamtbesteuerung oder KESt-Erstattung führen.
Muss ich Aktiengewinne bei einer österreichischen Bank in der Steuererklärung angeben?
Wenn die entsprechenden Aktiengewinne ordnungsgemäß durch österreichischen KESt-Abzug endbesteuert wurden, müssen sie grundsätzlich nicht allein deshalb nochmals erklärt werden. Bei einer Regelbesteuerungsoption, einem bankenübergreifenden Verlustausgleich oder anderen Sonderfällen kann die Veranlagung dennoch relevant sein.
Wann wird bei ETFs Kapitalertragsteuer fällig?
Bei ETFs kann Steuer auf tatsächliche Ausschüttungen, ausschüttungsgleiche Erträge und steuerpflichtige Veräußerungsgewinne anfallen. Auch ein thesaurierender ETF kann daher während der Haltedauer eine Steuerbelastung auslösen, obwohl keine entsprechende Ausschüttung erfolgt.
Muss ich Kapitalerträge von einem Auslandsbroker versteuern?
Ja, soweit diese nach österreichischem Steuerrecht steuerpflichtig sind. Wenn kein österreichischer KESt-Abzug erfolgt, müssen die entsprechenden Einkünfte grundsätzlich im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung erklärt werden. Eine ausländische Steuerbescheinigung ersetzt nicht automatisch die österreichische Steuererklärung.
Kann ich bei einem Depotwechsel Kapitalertragsteuer auslösen?
Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. § 27 Abs. 6 EStG behandelt einzelne Depotübertragungen wie eine fiktive Veräußerung, wenn die weitere Besteuerung nicht in der gesetzlich vorgesehenen Weise sichergestellt ist. Für bestimmte Übertragungen, insbesondere bei zutreffender Mitteilung der Anschaffungskosten und Erfüllung der weiteren Voraussetzungen, sind Ausnahmen vorgesehen.
Kann ich die Kapitalertragsteuer über den Lohnsteuerausgleich zurückholen?
Eine KESt-Erstattung kann unter anderem im Rahmen der Regelbesteuerungsoption möglich sein. Dabei ist jedoch regelmäßig die passende Einkommensteuererklärung für Kapitaleinkünfte maßgeblich. Eine gewöhnliche Arbeitnehmerveranlagung ohne die erforderlichen Kapitalangaben ist nicht automatisch ausreichend.
Kann ich Aktienverluste mit Sparzinsen verrechnen?
Nein. § 27 Abs. 8 EStG schließt die Verrechnung entsprechender Kapitalverluste mit Zinserträgen aus Bankeinlagen ausdrücklich aus. Mit bestimmten anderen positiven Kapitaleinkünften desselben Kalenderjahres kann der Verlustausgleich dagegen möglich sein.
Fazit: Welche KESt-Regel für Ihre Kapitalanlage entscheidend ist
Für private Kapitalanleger in Österreich gelten 2026 grundsätzlich zwei wichtige Sondersteuersätze: 25 Prozent für gewöhnliche Bankeinlagenzinsen und 27,5 Prozent für die meisten anderen privaten Kapitaleinkünfte.
Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, ob die Steuer automatisch einbehalten wird. Bei einer österreichischen depotführenden beziehungsweise auszahlenden Stelle ist das für gewöhnliche erfasste Kapitalerträge häufig der Fall. Bei ausländischen Anbietern kann dagegen eine eigene Einkommensteuererklärung erforderlich sein.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen außerdem ausschüttungsgleiche ETF-Erträge, ausländische Dividenden, der Verlustausgleich und die Frage, ob bei niedrigem Einkommen eine Regelbesteuerung günstiger sein könnte.
Prüfen Sie deshalb bei jeder Kapitalanlage nicht nur den Steuersatz, sondern auch den steuerlichen Abwicklungsweg: Wer führt die Steuer ab, welche Daten werden benötigt und ob besteht ein zusätzlicher Erklärungs- oder Verrechnungsbedarf?
Offizielle Quellen und Rechtsgrundlagen
- RIS: § 27a EStG – Besondere Steuersätze und Bemessungsgrundlagen
- RIS: § 93 EStG – Kapitalertragsteuer und Abzugspflicht
- BMF: Allgemeine Informationen zu Einkünften aus Kapitalvermögen
- BMF: Besteuerung inländischer und im Inland bezogener Kapitalerträge
- BMF: Dividenden, Zinsen und ausländische Quellensteuer
- BMF: Realisierte Wertsteigerungen, Aktienverkäufe und Depotübertragungen
- BMF: Verlustausgleich bei Kapitalvermögen
- BMF: Steuerreporting für Einkünfte aus Kapitalvermögen
- BMF: Steuerliche Behandlung von Kryptowährungen
Fachlicher Rechtsstand: 16. Oktober 2026. Dieser Ratgeber erläutert die wesentlichen österreichischen Kapitalertragsteuerregeln für gewöhnliche private Kapitalanlagen. Besondere Übergangsbestimmungen, betriebliche Sachverhalte, ausländische Quellensteuern und komplexe Finanzinstrumente erfordern gegebenenfalls eine gesonderte steuerliche Prüfung.